Eine der schillerndsten und zugleich umstrittensten Figuren österreichischen Zwischenkriegszeit war Ignaz Seipel, Priester, Prälat und zweimaliger Bundeskanzler. In einer neuen TV-Dokumentation im Rahmen der Serie "Baumeister der Republik" beleuchtet der ORF das Leben und Wirken dieses mächtigen Politikers, der von seiner Anhängerschaft als Stabilisator gefeiert und von seiner Gegnerschaft als "Prälat ohne Milde" und Inbegriff der Reaktion verteufelt wurde. Die Dokumentation wirft einen detaillierten Blick auf einen Mann, dessen Entscheidungen die politische Landschaft Österreichs nachhaltig geprägt haben. Die Doku zeichnet Seipels Aufstieg vom Sohn eines Fiakers zum Universitätsprofessor für Moraltheologie und schließlich an die Spitze der Christlichsozialen Partei und zum Bundeskanzler nach. Im Fokus stehen Seipels Kanzlerschaften (1922-1924 und 1926-1929), in denen er die Währungsstabilisierung durch die Einführung des Schillings vorantrieb und internationale Anleihen zur Sanierung des Staatsfinanzen aushandelte. Gleichzeitig thematisiert die Dokumentation seine kompromisslose Haltung gegenüber den Sozialdemokraten, die zur unheilvollen Polarisierung des Landes beitrug. Anhand von Archivmaterial, zeitgenössischen Karikaturen und Experteninterviews bietet die Dokumentation ein umfassendes und differenziertes Bild einer Schlüsselfigur der österreichischen Geschichte.