Vor einem Wasserkraftwerk am Inn schaffen Ingenieure mit Baggern und großen Findlingen einen neuen Bachlauf - eine Umleitung für Fische, deren Wanderung bislang an hohen Stauwehren scheiterte. Flussretter in ganz Bayern arbeiten unter Zeitdruck. die europäische "Wasserrahmenrichtlinie" zwingt sie, bis 2027 alle Gewässer in einen "guten ökologischen Zustand" zu bringen. In Bayern sind 2022 erst rund 20 Prozent geschafft. Über Jahrhunderte wurden Flüsse wie der Inn, die Salzach oder der Main für die Flößerei, Schifffahrt und den Bau von Wasserkraftwerken begradigt und in steinerne Ufer gezwängt. Mit gravierenden Folgen für die Natur: Viele Auwälder sind von der Wasserversorgung abgeschnitten, so dass seltene Pflanzen- und Tierarten ihre Lebensräume verlieren. Doch an bayerischen Flüssen zeigt sich: Auch der Mensch spürt heute die Folgen massiver Eingriffe früherer Wasserbauer: Durch die Begradigung hat sich die Dynamik von Flüssen wie der Salzach verändert. Bei Hochwasser treten sie über die Ufer und gefährden Infrastruktur und Siedlungen. Wie aber lässt sich der Zustand von Bayerns Flüssen verbessern? Akteure vom Wasserwirtschaftsamt, Fischökologen und Ingenieure stehen vor ganz unter-schiedlichen Herausforderungen: Dem Obermain versuchen sie, mit neu angelegten Flussschleifen seine ursprüngliche Struktur zurückzugeben. Dabei helfen überraschende Kooperationen mit der Kiesindustrie. Am Inn sind es Kraftwerksingenieure, die für Fische naturnahe Umgehungsgewässer anlegen. und an der Salzach rollen schwere Bagger, die dabei helfen, den über Jahrhunderte eingezwängten Fluss wieder "auszuwildern". Die Renaturierung von Bayerns Flüssen wird von der Wissenschaft aufmerksam begleitet. Experten wie der Fischökologe Professor Jürgen Geist von der TU München etwa überprüfen am Inn, ob die neu angelegten Fischpässe mit Kiesinseln und Auwäldern wirklich bei der Fortpflanzung helfen können.
