Verfall, Vergessen, Neubeginn. Die Geschichte der Kamelien im Landschloss Pirna-Zuschendorf ist ein Stück sächsische Kulturgeschichte. Ein Ort, der fast verschwunden wäre und heute als eine der bedeutendsten historischen Kameliensammlungen Deutschlands gilt. Nach dem Zweiten Weltkrieg verfiel das Landschloss zusehends. Dächer und Decken stürzten ein, die Gartenanlagen verwilderten. Der Abriss der Ruine schien nur noch eine Frage der Zeit sein. Doch 1988 wurde die Anlage gerettet, weil das VEG Saatzucht Zierpflanzen Dresden sie erwarb. Mit großem persönlichen Einsatz begannen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Schloss und Park zu sichern, Pflanzen zu sammeln und historische Bestände wieder sichtbar zu machen. "Wir hatten viele Ideen für das Schloss. Doch gleich nach der Wende wurden wir liquidiert und unsere Leute von einem Tag zum anderen arbeitslos. Aber Pflanzen brauchen tägliche Pflege. Also gründeten wir einen Verein und lebten von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen", erinnert sich Matthias Riedel, der langjährige Leiter der Historischen Sammlung in Zuschendorf. Die Wurzeln der Kamelienleidenschaft reichen bis ins frühe 19. Jahrhundert zurück. 1812 brachte Jacob Friedrich Seidel, Sohn eines Dresdner Hofgärtners, die ersten Kamelien nach Sachsen. Ein Jahr später gründete er gemeinsam mit seinem Bruder eine Gärtnerei - der Beginn einer unglaublichen Erfolgsgeschichte. Denn Dresden entwickelte sich damals zum führenden Kamelienzentrum Europas. Tausende Pflanzen reisten von hier aus nach Russland, Italien oder Spanien. Armgard Grüner erinnert sich an ihren Vater Hermann Seidel: "Er ist immer unterwegs gewesen. In den Balkan, nach Rumänien und nach Petersburg. Für den Export war das sehr wichtig. Und wenn er zuhause in Dresden war, dann ging es jedes Mal nur um die Heizung. Das war immer das Problem: Wenn Frost kam, musste der Vater in Herrgottsfrühe Aufstehen und sich um die Kamelien kümmern.

