Warum die grosse Baumpflanz-Euphorie trügt Bäume gelten weltweit als Symbol im Kampf gegen die Klimakrise - und als einfache Lösung für ein komplexes Problem. Doch viele Versprechen von Staaten, Unternehmen und Influencern greifen zu kurz. Klimaforscherinnen wie Sonia Seneviratnen betonen, dass mehr Bäume die Klimaerwärmung nicht im Alleingang stoppen können. Ein Drittel der globalen Emissionen wird zwar von der Biosphäre aufgenommen, doch Monokulturen und falsch platzierte Pflanzungen gefährden natürliche Ökosysteme und bringen kaum echten Klimanutzen. Wenn Aufforstung Biodiversität zerstört In Ländern wie Brasilien wachsen riesige Plantagen aus Eukalyptus - oft auf Kosten natürlicher Wälder. Diese künstlichen Forste speichern weniger Kohlenstoff, verbrauchen enorme Wassermengen und verdrängen endemische Arten. Besonders betroffen sind die indigenen Pataxó in Bahia, deren Lebensraum durch Plantagen zunehmend zerstückelt wird. Die umstrittene "Trillion Tree"-Studie 2019 löste eine Studie des damaligen ETH-Forschers Tom Crowther weltweit Begeisterung aus: Aufforstung sei die wirksamste Klimaschutzmassnahme und könne Hunderte Gigatonnen CO₂ binden. Diese Aussagen befeuerten internationale "Trillion Tree"-Kampagnen und motivierten Politik, Wirtschaft und NGOs zum grossflächigen Bäumepflanzen. Doch rasch folgte Kritik aus der Wissenschaft: Die Berechnungen seien stark vereinfacht, die CO₂-Bindung überschätzt und wichtige Ökosysteme falsch bewertet. Auch ETH-Klimaforscherin Sonia Seneviratne warnt davor, die Klimakrise auf eine einfache Pflanzformel zu reduzieren und dadurch dringend notwendige Emissionsreduktionen in den Hintergrund zu drängen. Wälder sind nicht überall sinnvoll Die brasilianische Cerrado-Savanne ist eines der artenreichsten Ökosysteme der Welt - und kein Waldgebiet. Nur ein Bruchteil der Pflanzen sind Bäume, während der Kohlenstoff vor allem im Boden gespeichert wird. Werden solche Flächen aufgeforstet, zerstört dies das ökologische Gleichgewicht.






