Eine Reise zu Kitsch, Kunst und Kommerz von der Operette übers "Musikantenstadl" bis zum ESC: Insider wie Guildo Horn und die Geschwister Pfister erkunden das Lebensgefühl des Schlagers. Der Schlager boomt. Er füllt Stadien, dominiert die Algorithmen von TikTok und Instagram und liefert den Soundtrack für eine gute Zeit. Woher kommt diese Sehnsucht nach der heilen Welt, und wie viel Rebellion steckt hinter den glitzernden Pailletten? Auf der Suche nach Antworten verlässt die Dokumentation "Hits, Herz, Heimat - Kitsch und Kult" die Pfade der Musikindustrie und begibt sich auf eine (kultur)historische Spurensuche. Eine kleine Reise zu den Hits, aber auch zu den subversiven Wurzeln des Genres, die heute noch hie und da durchschimmern. Der Film führt weg von den Verkaufszahlen hin zu den kulturellen Wurzeln. Ein prominenter Schlager(aus)kenner und ESC-Insider, der das Großevent 1998, wie er fand, befreien wollte und dafür sogar demonstrierte, ist Guildo Horn. Im Interview blickt er zurück auf seinen legendären Auftritt beim Eurovision Song Contest in Birmingham - einen Moment, den er selbst als "Rock-'n'-Roll-Befreiung" beschreibt. Der diplomierte Pädagoge dekonstruiert im Interview das Image des Schlagersängers. Er schlägt den Bogen von seinen anarchischen Anfängen in Kölner Clubs bis hin zu Rollen in Musical und Operette. Der Schlager, so betont auch er, ist kein modernes Industrieprodukt, sondern kommt von der lauten, bunten Welt der Operette der 1920er-Jahre. Diesen Faden greifen die Geschwister Pfister auf. Auf der Theaterbühne zelebrieren sie die Übersteigerung des Schlagers und beweisen, dass man Kitsch gleichzeitig parodieren und tief verehren kann. Durch ihre Augen betrachtet wird die "neue Offenheit" des Genres sichtbar - eine Rückkehr zu jener Frivolität und Doppeldeutigkeit, die den Schlager vor seiner "Säuberung" in der Nachkriegszeit auszeichnete. Ihre Revue "Servus Peter - Oh là là Mireille" ist schon seit Jahren über die Grenzen hinweg Kult.
