Hupen, drängeln, fluchen: Hamburgs Straßen gelten als gefährliches Pflaster. "Die Nordreportage" begleitet Pkw-Lieferanten, Fahrradkuriere, Polizei und Fußgänger bei ihrer Odyssee durch den dichten Verkehrsdschungel. Wo gilt das "Recht des Stärkeren", wie tief sind die Gräben und woran hakt es an den derzeit gefährlichsten Kreuzungen? In den vergangenen zehn Jahren ging die Zahl der Verkehrsunfälle in Hamburg insgesamt leicht zurück. Jene mit Fahrrädern hingegen stiegen deutlich an: Allein 2025 starben elf Radfahrer auf Hamburgs Straßen, das ist mehr als die Hälfte aller Verkehrstoten in der Freien und Hansestadt. Fünf von ihnen wurden von abbiegenden Fahrzeugen übersehen, darunter ein siebenjähriger Junge, der im März 2025 von einem Müllwagen überrollt wurde. Zwei weitere Radfahrer, darunter die bekannte Schauspielerin Wanda Perdelwitz, kamen bei sogenannten Dooring-Unfällen ums Leben. Im Februar 2026 wurde ein 63-Jähriger in Moorfleet von einem abbiegenden Lkw erfasst. Im April wurde ein elfjähriger Junge in Wilstorf überrollt. Die Polizei will alle Verkehrsteilnehmer noch stärker für Gefahrenquellen sensibilisieren. Die Politik wiederum will weg von autozentrierter Städteplanung , sie setzt auf den sogenannten Holländischen Griff beim Öffnen der Fahrzeugtür, Abbiege-Assistenten und Pop-up-Bikelanes. Wie weit ist die Verkehrswende? Wo ist derzeit einfach zu wenig Platz auf Hamburgs Straßen? Können Schwerpunktkontrollen und Fahrsicherheitstrainings die Lage verbessern? Stau- und Unfall-Hotspot Hamburg: An der Kreuzung Grindelallee wurden in fünf Jahren 136 Unfälle registriert. An der Sternbrücke in Altona streiten Senat und ADAC über die Reduzierung von vier auf zwei Fahrspuren - bei täglich 24.000 passierenden Fahrzeugen. Neue Radwege sind nun an der Reeperbahn: Das macht die Fahrbahnen für alle Verkehrsteilnehmer viel enger. Bahnhöfe, Außenalster und Kennedybrücke gelten als besonders gefährlich.
