Die Komponenten des Skandals um die BAWAG, der Bank der österreichischen Gewerkschaften, sind mit den Ideen der Arbeiterbewegung kaum in Einklang zu bringen: ein arroganter Bankmanager, der sich auf dem Dach der Wiener BAWAG-Zentrale ein Penthouse mit Swimmingpool einrichten ließ, verpfändete Streikgelder (das Heiligtum der Gewerkschaften), Briefkastenfirmen in der Karibik, 6,8 Millionen Euro Abfindung für einen Pensionsantritt, die Bank der österreichischen Arbeiterbewegung als größter Anteilseigner eines der größten Börsenbrokers der USA und so weiter. Im Frühjahr 2006 bilden sich lange Schlangen vor den Filialen der BAWAG. Ein Großteil der Kundschaft will ihre Ersparnisse abheben. Für Banker und Finanzfachleute ein Albtraum, denn keine Bank verfügt über so viel Bargeld. Meist folgt die Insolvenz des Bankhauses. Die BAWAG gehört zu den größten Banken Österreichs. Bricht diese zusammen, könnte sich das auch auf andere Finanzinstitute auswirken: Der Finanzplatz Österreichs steht auf dem Spiel. Eine Bankenpanik bricht aus. Unter dem Radar der Öffentlichkeit werden in der Nationalbank Autokofferräume mit Geldbündeln befüllt. Die Filialen der BAWAG müssen mit Bargeld versorgt werden, um der Kundschaft das Abheben ihrer Ersparnisse zu ermöglichen. Im Bundeskanzleramt verhandeln in der Nacht auf den 2. Mai die Regierungsspitze und der neu ernannte Generaldirektor der Bank über Staatsgarantien in Milliardenhöhe für die taumelnde BAWAG. Die neue Dokumentation "Österreichs große Skandale - Die BAWAG-Affäre" spannt einen Bogen von 1922, der Gründungsjahr der Arbeiterbank, bis zur Urteilsverkündung 2012. Interviews mit Involvierten, Zeitzeugen, Expertinnen und Experten geben einen Einblick, was in dieser Zeit tatsächlich geschah und zeigen erstmals das gesamte Ausmaß der drohenden Pleiten der BAWAG und des Österreichischen Gewerkschaftsbundes.
