Über 20 Jahre lang hielt die BUWOG-Affäre Österreich in Atem. Das Ergebnis: 4 Jahre Haft für den ehemaligen Finanzminister Karl-Heinz Grasser, dem damaligen Sunny-Boy der österreichischen Politik. Verurteilt wurde er wegen Untreue, Geschenkannahme, Bestechlichkeit und Beweismittelfälschung. Sieben Monate saß er in Innsbruck in Haft, derzeit sitzt er seine Strafe mit Fußfesseln ab. Auch seine Mittäter, der ehemaligen FPÖ-Politiker Walter Meischberger und der Lobbyist Peter Hochegger, wurden zu jahrenlangen Haftstrafen verurteilt. Worum ging es: Bei der Privatisierung von 60 000 Bundeswohnungen in einem Bieterverfahren im Jahr 2004 habe Karl-Heinz Grasser - laut Gerichtsurteil - der österreichischen IMMOFINANZ das Gegenangebot der Konkurrenz von 960 Millionen Euro verraten. Damit ermöglichte er der IMMOFINANZ gemeinsam mit seinen Mittätern, diesen Betrag um genau eine Million Euro minimal zu überbieten. Ein echtes Schnäppchen, wenn man den durchschnittlichen Preis von 16.000 Euro pro Wohnung bedenkt. Jahre später stellte sich durch einen Zufallsfund der Finanzbehörden heraus, dass die drei Freunde, Grasser, Meischberger und Hochegger, heimlich genau 9,6 Millionen Euro von der siegreichen Finanzgesellschaft erhalten hatten: Genau 1 % der bezahlten Summe für die Bundeswohnungen. Wohl kann es sich dabei um ein "Erfolghonorar" der IMMOFINANZ für die geheime Kooperation handeln - und damit um persönliche Bereicherung der drei Täter. Es folgten jahrelange Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und ein jahrzehntelanger Prozess, der schließlich im März 2015 mit der Verurteilung Täter endete. Die neue Dokumentation "Österreichs große Skandale - Die BUWOG-Affäre" zeichnet einen der größten Korruptionsskandale Österreichs und dessen Hintergründe exakt nach und fragt nach der Sinnhaftigkeit der neoliberalen Logik von Privatisierung staatlich-gemeinnütziger Wohnungen nach dem Motto: "Mehr privat, weniger Staat".