Sie sind farblos, schmecken nach nichts und sind hochgefährlich. Sogenannte K.-o.-Tropfen kursieren seit Jahrzehnten und werden missbraucht, um Frauen und Männer willenlos zu machen. Es folgen Raubüberfälle, schwere Unfälle, Vergewaltigungen. Oft genügen ein paar Tropfen, die heimlich ins Glas gegeben werden, um Menschen zu betäuben. Das Tückische am sogenannten "Spiking": Die Opfer haben hinterher Erinnerungslücken. "Ich wusste nicht wieso, aber ich wusste, es ist irgendwas Schlimmes passiert", erinnert sich Kate an jene verhängnisvolle Nacht, die sie bis heute verfolgt. Sie wurde in einer Privatwohnung von flüchtigen Bekannten "ausgeknockt". Was danach passierte, erinnert Kate nur in Bildfragmenten. Erst am nächsten Tag reift in ihr die Erkenntnis: Sie wurde vergewaltigt. "Spiking"-Opfer zeigen eine mutmaßliche Straftat oft nicht an, belastbare Statistiken gibt es darum kaum. "Manche Leute behaupten, dieses Phänomen gibt es nicht", sagt Opferanwalt Jochen Link, und erlebt in seinem Engagement für den Weißen Ring das Gegenteil. Immer wieder berichten Betroffene von Filmrissen, obwohl sie wenig getrunken haben. Aufgrund der fehlenden Statistiken ist er überzeugt: "Wir unterschätzen das Problem". K.-o.-Tropfen - das ist nicht eine, sondern das sind eine Vielzahl von Substanzen. Partydrogen wie zum Beispiel das Lösungsmittel Gamma-Butyrolacton (GBL), Beruhigungsmittel oder auch verschreibungspflichtige Schlafmittel werden missbraucht - wie im Fall der Französin Gisèle Pelicot. Der Ehemann hat sie jahrelang betäubt, vergewaltigt und vergewaltigen lassen. Der Prozess erregte internationales Aufsehen und zeigt offenbar nur die Spitze des Eisbergs. "Wir leben in einem gewaltvollen System", erklärt Charlotte Hirz, die als Psychologin Frauen betreut, die sexualisierte Gewalt erlebt haben. Viele Frauen schalten die Polizei nicht ein. Sie schämen sich, geben sich selbst die Schuld. Eine der Frauen, die in der Dokumentation ihre Geschichte erzählt, ist Nina.
