Was nützt es, Menschen zu strafen? Werden sie dadurch zu besseren Menschen? "Reporter" spricht darüber mit Häftlingen, die jahrelang in der Justizvollzugsanstalt Pöschwies eingesperrt sind. "Was wäre ohne Gefängnisse?", fragt der 30-jährige Giorgio, um die Frage gleich selbst zu beantworten: "Anarchie würde herrschen. Strafe muss sein. Wer einbrechen oder einen Mord begehen konnte, muss bezahlen." Er wurde wegen bandenmäßigem Einbruchdiebstahl verurteilt. Bald wird Giorgio - nach sechs Jahren und neun Monaten Freiheitsentzug - entlassen. Dann will er sich einen Job suchen und seinen Platz in der Gesellschaft finden. Ohne Ausbildung ist das allerdings schwer. Er hofft, dass ihm jemand eine Chance gibt - trotz seiner Biografie. Im Alter von drei Jahren kam er ins Heim. Dann von Pflegefamilie zu Pflegefamilie. Schon bald stand er zum ersten Mal vor dem Jugendanwalt: der Anfang einer kriminellen Karriere, die nun endlich enden soll. "Ich will nie wieder in den Knast!", sagt Giorgio. Haben Strafen eine abschreckende Wirkung? Und: Lässt sich diese Wirkung mit härteren Strafen steigern? Diese Fragen gehören zu den am besten erforschten Themen der Kriminologie. Die Antworten sind klar, erfahren die Reporter Christof Franzen und Simon Christen an der Juristischen Fakultät der Universität Fribourg. Strafen wirken sehr wohl. Aber ihre Wirkung lässt sich mit höherer Dosierung nicht steigern. "Politiker fordern immer wieder härtere Strafen, auch wenn wissenschaftlich erwiesen ist, dass diese nicht besser wirken", sagt Marcel Niggli, Professor für Strafrecht und Rechtsphilosophie. Dass diese Fragen trotz klarer Empirie ein medialer und politischer Dauerbrenner bleiben, erklärt er so: "Daraus lässt sich einfaches politisches Kapital schlagen, auch wenn alle Fachleute wissen, dass es nichts bringt." Klar ist indes: Das Strafen birgt auch Risiken. Gennaro wurde im Alter von 18 Jahren wegen einer Messerstecherei zu zehn Jahren Haft verurteilt.




