Niedriglohnland Deutschland. Fast jeder Fünfte arbeitet hierzulande im Niedriglohnsektor - mehr als in fast allen anderen europäischen Ländern. Es sind Verkäuferinnen und Verkäufer, Beschäftigte in der Erwachsenenbildung oder bei der Post. Es ist ein Leben am Existenzminimum, denn die steigenden Energie- und Lebensmittelpreise fressen den gestiegenen Mindestlohn mehr als auf. Ein Jahr lang haben die Autorinnen Julia Friedrichs und Caroline Rollinger drei Frauen begleitet, die trotz Arbeits- und Fachkräftemangel so wenig verdienen, dass es kaum zum Leben reicht. Mindestlohn reicht kaum für das Nötigste Ilona ist beruflich aufgestiegen. Die Postbotin arbeitet jetzt als Depotleiterin eines privaten Postdienstleisters. Sie hat jetzt mehr Verantwortung, doch an ihrer prekären Lage hat sich nichts geändert. Sie bekommt nur den Mindestlohn, trotz der Erhöhung auf 12,00 Euro reicht das Geld kaum für das Nötigste. Auch Berna muss sparen. Die Verkäuferin ist alleinerziehend. Ihren Sohn hat sie gerade bei der Hausaufgabenbetreuung abgemeldet, weil das Geld dafür fehlt. Auch bei ihr fressen die hohen Preise die Erhöhung des Mindestlohnes mehr als auf. Für viele ist die wirtschaftliche Lage in Deutschland so schlecht wie lange nicht mehr. Sinken der Reallöhne: Untere Mittelschicht besonders hart getroffen Die Inflation lag im Jahr 2022 bei sieben Prozent. Der höchste Wert seit den 1970er-Jahren. Besonders gestiegen sind die Kosten für Energie (plus 24 Prozent) und Lebensmittel (plus 21 Prozent). Das dritte Jahr in Folge sanken die Reallöhne; im vergangenen Jahr um vier Prozent. Das heißt, im Schnitt können sich die Menschen von ihrem Gehalt weniger leisten. Das trifft die untere Mitte, die größte Einkommensschicht Deutschlands, besonders hart. Auch Menschen mit guter Ausbildung sind davon betroffen. Claudia hat einen Hochschulabschluss und arbeitet als Integrationslehrerin.
