Exakt - Die Story Neu

Landwirte unter Druck

Reportagereihe / D 2020
Mi, 08.04.
20:45 - 21:15
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Beschreibung

Landwirte unter Druck - Seit Monaten blockieren Landwirte immer wieder die Landeshauptstädte mit hunderten Traktoren und protestieren lautstark. Auf Transparenten fordern sie: "Respekt für die Landwirtschaft", "Kein blinder Aktionismus" oder "Stoppt den Bürokratiewahnsinn". Auslöser der Proteste ist vor allem das geplante Agrarpaket der Bundesregierung. Die Reformen sollen mehr Umweltschutz in der Landwirtschaft durchsetzen. Viele Bauern fühlen sich in ihrer Existenz bedroht. Sie wollen von der Politik gehört werden und bei der Frage mitreden, wie dringend notwendige Maßnahmen für den Schutz der Umwelt in der Landwirtschaft realisiert werden können. Da ist zum Beispiel die Novelle der Düngeverordnung. Die Nitratwerte im Grundwasser sind vielerorts zu hoch. Das Problem ist seit Jahren bekannt, nur hat die Bundesregierung lange nicht gehandelt. Dann klagte 2016 die EUKommission gegen Deutschland auf Grund des Verstoßes gegen die europäische Grundwasserrichtlinie. Nun drohen Strafzahlungen in Höhe von 850.000 Euro - täglich. Die Bauern sollen deshalb die Düngung der Böden einschränken. Doch die Landwirte machen gegen die neue Verordnung mobil. In Sachsen-Anhalt organisiert der Ackerbauer Martin Dippe den Protest. Er hat sich der neu gegründeten Bauernbewegung "Land schafft Verbindung" angeschlossen. Ohne offiziellen Verbund und über soziale Medien organisiert, verschafft sich die Protestbewegung deutschlandweit Gehör. Martin Dippe übernimmt derzeit den Hof seines Vaters in der Magdeburger Börde, ein Familienbetrieb mit 750 Hektar Land. Die Familie steht unter hohem wirtschaftlichen Druck. Sie wollen nicht abhängig von Geldern aus Brüssel und Berlin sein, sondern ihren Hof rentabel bewirtschaften. Doch um den maximalen Ernteertrag zu erzielen, sind sie auf eine bedarfsgerechte Düngung und das Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln angewiesen. Die Landwirte haben Sorge, Umweltschutzmaßnahmen würden bei ihnen zu Ertragseinbußen führen. Derzeit ist Landwirtschaft ohne Subventionen nicht denkbar. Viele Bauern sind abhängig von der Politik. 6,3 Milliarden Euro zahlt Brüssel jährlich an landwirtschaftliche Betriebe in Deutschland. Ein Großteil der Summe wird nach Seite 8/10 Betriebsgröße verteilt. Pro Hektar Land fließt Geld. So profitieren vor allem die großen Betriebe. Doch die europäischen Förderrichtlinien für die Landwirtschaft laufen dieses Jahr aus und wie es weitergeht, das ist noch immer unklar. Die Weichen für die Agrarpolitik der kommenden Jahre werden derzeit in Brüssel gestellt. Ein Landwirt, der das Aus vor Augen hat, ist Bernd Barfuß, Geschäftsführer der Agrar GmbH Auligk aus dem sächsischen Groitzsch. 2.000 Rinder und rund 5.000 Schweine werden auf dem Hof gehalten. Doch die Schweinemast wirft kein Geld mehr ab. Die Ställe stammen aus den 60er Jahren. Die Kastenstände für die Schweine sind nach heutigen Anforderungen zu klein. In neue Ställe zu investieren, das lohne sich nicht. Denn Schweinefleisch werde einfach zu günstig gehandelt und so lange der Verbraucher im Supermarkt Fleisch zu Billigpreisen erwarte, würde sich dies auch nicht ändern, sagt Barfuß. "Exakt - Die Story" begibt sich auf eine Reise durch die Landwirtschaft Mitteldeutschlands. Wir besuchen konventionelle Landwirte und Ökobauern, hoch technologisierte Großbetriebe und mittelständische Familienhöfe. Wir hinterfragen politische Entscheidungen und konfrontieren das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft mit unseren Ergebnissen. Wo lassen sich die Forderungen der Landwirte nachvollziehen und wo wehren sie sich zu Unrecht gegen die dringend notwendigen Regulierungen und Reformen? Allen Beteiligten ist klar: einfache Lösungen gibt es in der Landwirtschaft derzeit nicht. Ein besserer Umwelt- und Artenschutz ist notwendig, um dem Klimawandel entgegenzuwirken und die Artenvielfalt zu erhalten. Doch die Landwirte können nicht allein in die Pflicht genommen werden. Es sind die Bauern, die unser Land ernähren.

Alternative Sendeplätze

Do / 01:30 - 01:58 / MDR
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