Seit 70 Jahren verändert die Fernsehlotterie Leben: Was einst mit Ferienplätzen für Berliner Kinder begann, ist heute eine der größten sozialen Hilfsaktionen Deutschlands. Erfahre, wie alles anfing, welche bewegenden Geschichten dahinterstecken – und was ein Los heute bewirken kann.
Einen Moment lang wird die Krankheit zur Nebensache: Schauspieler Oliver Mommsen kommt zu Besuch ins Kinderhospizzentrum „Leo“ der Berliner Caritas und Bewohnerin Leonie wird gefragt: „Du triffst zum ersten Mal Oliver Mommsen – wie ist es für dich?“ „Schrecklich!“, antwortet Leonie mit einem schelmischen Lächeln und erntet für ihren Witz schallendes Gelächter.
„Sie ist definitiv eine Persönlichkeit, ausgestattet mit einem großartigen Humor und sehr viel Quatsch im Kopf“, sagt der beliebte Schauspieler beim Besuch des Dienstes, der in Berlin aktuell 65 Familien mit schwer erkrankten Kindern begleitet.
Auch eine Kamera der Deutschen Fernsehlotterie ist beim Tag mit dem Ex-„Tatort“-Kommissar dabei. Die Soziallotterie unterstützt Projekte wie dieses im ganzen Land und feiert 2026 Jubiläum: 70 Jahre.
Alles begann am 28. April 1956 mit der ersten Ziehungssendung im (Ersten) Deutschen Fernsehen unter dem Titel „Ferienplätze für Berliner Kinder“. Bekannter Geburtshelfer: Peter Frankenfeld, der in den Jahren zuvor in seiner Samstagabend-Show „1:0 für Sie“ (1954–1955) regelmäßig Zuschauerpost vorlas.
Als einige Zuschauer ihm einen kostenlosen Urlaub anboten, schlug er vor, an seiner Stelle doch Berlins Kinder einzuladen: Bereits ab der Berlin-Blockade 1948 flogen die Alliierten einige von ihnen mit den berühmten Rosinenbombern nach Westdeutschland aus, für erholsame Ferien auf dem Land. Das Motto der Aktion ist bis heute ein geflügeltes Wort: „Ein Platz an der Sonne“.
Frankenfeld rührte dafür die Werbetrommel und gab bei „1:0 für Sie“ die Spendenstände bekannt. Als nächster Schritt folgte der Losverkauf mit erwähnter Ziehung im TV: Der Grundstein für Deutschlands älteste Fernsehlotterie und die Show „Ein Platz an der Sonne“ (ab 1956) war gelegt.
Der zweite berühmte Slogan der Fernsehlotterie wurde dann auch schon im Jahr 1957 geboren: „Mit 5 Mark sind Sie dabei!“ Er stammt von Jochen Richert, damals Pressereferent des Hilfswerks Berlin, der die Modalitäten zur Durchführung der Lotterie entwickelte. Später, in den 1970er- und 1980er-Jahren, hielten Prominente wie Freddy Quinn, Roberto Blanco oder Inge Meysel überdimensional große Fünf-Mark-Münzen in die Kamera.
Der Gedanke dahinter, mit wenig Geld Teil von etwas Großem zu werden, hat bis heute überlebt: Ein Einzellos gibt es für fünf Euro. Die Bedeutung der Fernsehlotterie wuchs mit der Anzahl der Fernsehgeräte in westdeutschen Haushalten, sie stieg allein von 1956 bis 1960 von rund 300.000 Geräten auf über zwei Millionen. 1961 spielten bereits 2,8 Millionen Menschen bei der Lotterie mit. Die damals größte Lostrommel der Welt, der „Glückswirbel“, begann sich zu drehen.
Praktisch alle großen Stars der 50er-, 60er- und 70er-Jahre kamen zur Unterstützung der Fernsehlotterie zusammen. Legendäre Showmaster wie Frank Elstner oder Rudi Carrell wirkten mit, Schlagersänger traten regelmäßig auf, die ein Lied für die gute Sache sangen, darunter 1971 der überaus erfolgreiche Song „Zeig mir den Platz an der Sonne“ von Udo Jürgens.
Die Show war ein Straßenfeger: „Wenn am Samstagnachmittag die Sendung ausgestrahlt wurde, saß die halbe Nation vor dem Fernsehapparat und man hoffte, vielleicht selbst zu den Gewinnern zu zählen“, sagt der heutige Geschäftsführer Christian Kipper im Gespräch mit HÖRZU. Zugleich diente die Show auch als Plattform, um jene Einrichtungen vorzustellen, die von den Lotterieerlösen profitierten, etwa Seniorenheime, Kindergärten und Behinderteneinrichtungen.
Dank zahlreicher Teilnehmer und ihrer großen Unterstützung konnte die Lotterie ihre Betätigungsfelder stetig ausweiten. Inzwischen gibt es viele unterschiedliche Förderschwerpunkte, auch für wohnungslose Menschen, schwer Erkrankte und ihre Familien sowie Geflüchtete. Zudem wird das Zusammenführen von Digitalisierung und Inklusion unterstützt: „Der soziale Bereich ist heute auch digital ausgerichtet. Da gibt es gravierende Veränderungen“, erklärt Christian Kipper.