„In höchster Not: Bergretter im Einsatz“: Staffel 2 ist Adrenalin pur

18.05.2026 um 14:00 Uhr
    „Bergretter im Einsatz“: Staffel 2 ist Adrenalin pur | © BR/Timeline Production
    Mehr Notrufe, komplexe Lagen, kaum Zeit – Alltag für die Helfer. | ©BR/Timeline Production

    Bergretter zwischen Extremen und Emotionen: Die 2. Staffel „In höchster Not“ ist Adrenalin pur.

    Ein Artikel von TV DIGITAL-Redakteurin Lea Joline Prawit

    Zwei Männer klammern sich an einen Felsvorsprung. Es schneit bei minus zwei Grad. Ohne Mütze, ohne Handschuhe waren sie gestartet, schließlich schien im Tal die Sonne. Der Wetterumschwung auf dem Weg zum Gipfel kam überraschend, hier an diesem Ort bei Garmisch-Partenkirchen, dessen Name nicht passender sein könnte: Höllental.

    Gleich zu Beginn macht die zweite Staffel der ARD-Serie „In höchster Not – Bergretter im Einsatz“ klar: Dies ist keine Übung. Bereits die erste Staffel war ein Hit mit knapp sieben Millionen Zuschauern allein in der Mediathek. Auch die neuen Folgen liefern spektakuläre Aufstiege und waghalsige Rettungen der Bergwachten Ramsau, Grainau und, neu dazugekommen, Bad Reichenhall, festgehalten von Körperkameras und Drohnen. Die Doku zeigt Frauen und Männer, die alles stehen und liegen lassen, sobald sich Rufgerät oder App melden. Manchmal unter Einsatz des eigenen Lebens. Ehrenamtlich. „Das Drehbuch hat das Leben geschrieben“, bestätigt Marcus Goebel die Authentizität der Dokuserie im Gespräch mit TV DIGITAL. Er muss es wissen: Seit über 40 Jahren rettet der Steuerberater für die Bergwacht Bad Reichenhall Verletzte, Verirrte, Verunglückte, während Job und Familie warten.

    Zwischen Leben und Tod

    Manche Aktionen enden tragisch. Auch in der Dokureihe müssen sich die Einsatzkräfte stets auf alles gefasst machen. Was als Routine beginnt, kann in einer Katastrophe enden. „Bei tödlichen Verläufen werden meist die ,alten Hasen‘ geschickt“, so der Profi. Wird das Erlebte für den Retter zur Last, kann er sich psychosozial versorgen lassen. Doch es gibt auch die leisen Momente. Der 59-Jährige erinnert sich an eine Mutter mit Sohn, die sich am Predigtstuhl im Berchtesgadener Land verstieg: Sie mussten nacheinander mit dem Hubschrauber aus dem absturzgefährlichen Gelände geholt werden. Im Tal bekam der Junge von Goebel einen Tröstebären. Als auch die Mutter endlich in Sicherheit war, brachte er ihn zurück: Er brauche ihn nicht mehr, seine Mutter sei ja wieder da.

    Teamwork in luftigen Höhen

    Drei Jahre dauert die Ausbildung mit Sommer- und Winterrettung, Notfallmedizin, Luftrettung und Naturschutz. Rund 600 Einsätze hat er bereits hinter sich, einmal waren es zehn in nur einer Woche. Warum tut er sich das an? „Für die Gemeinschaft. Unterschiedliche Menschen von 18 bis 80 haben nur ein Ziel: andere aus dem Gelände zu holen. Man hängt buchstäblich am Seil des anderen. Auf diese Leute kann man sich zu 100 Prozent verlassen“, sagt Goebel. „Das gibt es heute nicht mehr oft.“

    Er wünsche sich, sagt er, mehr Eigenverantwortung derer, die in die Berge gehen. Die Zahl der Alarmierungen ist gestiegen, viele wären vermeidbar. Zu oft verlassen sich Menschen blind auf Navi-Apps, unterschätzen Strecke und Gelände. „Smartphones vermitteln eine trügerische Sicherheit.“ Sein Rat ist so simpel wie eindringlich: „Handy aus, Hirn an.“

    Schlecht informiert und kaum vorbereitet waren auch die zwei Männer am Felsvorsprung. Erst als sie im Tal aus dem Heli steigen, realisieren sie, wie knapp es für sie war. „Den Abstieg über viele Stunden hätten wir nicht überlebt“, sagen sie. Und wünschen dem Team einen schönen Feierabend. Er ist mehr als verdient.

    „In höchster Not: Bergretter im Einsatz“ läuft heute, am 18. Mai 2026, um 21:45 Uhr im Ersten und jederzeit in der ARD-Mediathek.