Gaming-Legende im Test: Ist „Day of the Tentacle“ noch immer genial?

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06.06.2026 um 10:30 Uhr
    Drei Comicfiguren stehen vor einem Raumschiff und einem riesigen grünen Tentakel unter violettem Sternenhimmel auf Hügeln. | © Disney / Double Fine Productions
    „Day of the Tentacle Remastered“ – drei Freunde, drei Zeiten, ein Plan! | ©Disney / Double Fine Productions

    Wenn man über die größten Klassiker der Videospielgeschichte spricht, kommt man an „Day of the Tentacle“ nicht vorbei. Das schräge Point-and-Click-Adventure aus dem Jahr 1993 hat mit seinem einzigartigen Humor, seinen verrückten Ideen und seinen Zeitreise-Rätseln eine ganze Gaming-Generation geprägt. 2016 gab es eine Remastered-Version. Funktioniert dieses Kultspiel heute noch genauso gut wie damals, oder ist es eher ein Relikt aus einer anderen Ära?

    Day of the Tentacle ist ein absoluter Meilenstein der Videospielgeschichte aus dem Jahr 1993 und ein klassisches Point-and-Click-Adventure. Für viele Spieler und Spielerinnen ist es reine Nostalgie, doch auch heute noch versprüht das Spiel seinen ganz eigenen, verrückten Charme. Hier ist ein Blick auf die Geschichte, das Gameplay und die Frage, wie gut das Spiel gealtert ist.

    Die Geschichte: Ein mutiertes Tentakel greift nach der Weltherrschaft

    Die Hauptfigur dieses Schlamassels ist das Purpur-Tentakel, ein verrücktes, sprechendes Haustier und Laborassistent des exzentrischen Wissenschaftlers Dr. Fred Edison. Alles beginnt damit, dass das Tentakel giftiges Wasser aus dem Labor trinkt. Die Folge: Es mutiert, bekommt winzige Ärmchen und beschließt prompt, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Um diese drohende Katastrophe zu verhindern, will Dr. Fred drei sehr unterschiedliche Freunde einen Tag in die Vergangenheit schicken, damit sie das Trinken des giftigen Wassers verhindern. Mit dabei sind:

    • Bernard: Der klassische Nerd.
    • Hoagie: Ein gemütlicher Heavy-Metal-Typ.
    • Laverne: Eine etwas durchgeknallte Medizinstudentin.

    Die Zeitmaschine, die Dr. Fred dafür gebaut hat, besteht aus drei umgebauten Toilettenhäuschen, den Chrono-O-Johns. Da der Wissenschaftler für den Antrieb der Maschine jedoch aus Geiz ein billiges Diamanten-Imitat verwendet hat, geht bei diesem Zeitsprung alles schief. Die drei Freunde werden durch die Jahrhunderte verstreut: Bernard landet wieder in der Gegenwart, Hoagie strandet 200 Jahre in der Vergangenheit und Laverne wird 200 Jahre in die Zukunft katapultiert. Die Aufgabe ist es nun, über die verschiedenen Zeitebenen hinweg Rätsel zu lösen, um den fiesen Plan des Purpur-Tentakels zu vereiteln.

    Dr. Fred Edison schickt Hoagie, Laverne und Bernard auf die Reise.  | ©Disney / Double Fine Productions

    Das Gameplay: Zeitreisen und absurdes Kombinieren

    Man steuert alle drei Charaktere in ihren jeweiligen Epochen. Der Clou des Spiels: Man kann Gegenstände über die Toiletten durch die Zeit schicken und so die Geschichte manipulieren. Fällt Hoagie beispielsweise in der Vergangenheit einen Baum, auf dem Laverne in der Zukunft feststeckt, ändert sich die Realität und Laverne ist in ihrer Zeitlinie plötzlich befreit. Man muss also stets überlegen, wie sich eine Aktion in der Vergangenheit auf die Welt von morgen auswirkt. Die Steuerung funktioniert wie bei jedem klassischen Point-and-Click-Adventure: Mauszeiger über den Bildschirm bewegen, Objekte anklicken, um sie anzuschauen, mitzunehmen oder zu kombinieren.

    • Das Original (1993): Das Spiel lief über ein klobiges Interface, bei dem das untere Drittel des Bildschirms mit Befehlen (wie Gib, Öffne, Benutze) und dem gesamten Inventar gefüllt war – für heutige Verhältnisse etwas unübersichtlich.
    • Das Remaster (2016): Die Neuauflage punktet mit einer modernen, aufgeräumten Steuerung. Ein Rechtsklick auf ein Objekt öffnet ein Ringmenü für die passende Aktion. Im Inventar unten links lässt sich ganz einfach zwischen den Figuren hin- und herspringen.

    Man kann nicht sterben und sich auch nicht versehentlich in eine unlösbare Sackgasse manövrieren. Es gibt keine Hektik, keine Actionpassagen, keine Reflex-Tests und keine Zeitlimits. Das nimmt unglaublich viel Stress aus dem Spielablauf und sorgt für absolute Entschleunigung. Man kann in aller Ruhe experimentieren, noch so absurde Gegenstände miteinander kombinieren und die witzigen Dialoge genießen.

    Laverne hängt in einer Zukunft fest, in der die Tentakel über die Menschen herrschen.  | ©Disney / Double Fine Productions

    Was heute etwas an den Nerven zehrt

    So grandios das Spiel auch ist, an manchen Stellen merkt man ihm sein Alter an:

    • Unlogische Rätsel: Manche Lösungen sind derart absurd, dass man mit Logik einfach nicht darauf kommt. Oft ist man nach guter alter Manier dazu gezwungen, jeden Gegenstand im Inventar mit allem auf dem Bildschirm zu kombinieren, bis zufällig irgendetwas passiert. Das kann unglaublich ermüdend sein.
    • Fehlende moderne Hilfen: Ein Questtagebuch oder ein modernes Hilfesystem, das einem nach einer Weile einen Tipp gibt, sucht man in der Neuauflage vergebens. Zwar gibt es eine Hotspot-Funktion, um sich klickbare Objekte anzeigen zu lassen, aber das Spieldesign bleibt gnadenlos auf dem Stand von 1993 und verlangt sture Hartnäckigkeit.
    • Das zähe Spieltempo: Die Welt hat sich verändert und wir sind im Alltag heute ganz andere Geschwindigkeiten gewohnt. Wenn man zügig vorankommen und das nächste Rätsel lösen will, fühlt sich das gemächliche Tempo mit den langsamen, ausführlichen Dialogen (wie etwa über Dr. Freds Hotelgeschäfte oder Ednas Einnahmen aus exotischem Tanzen) oft an, als würde man durch zähen Kaugummi waten. Das Spiel zwingt uns ein Rhythmusgefühl auf, das nicht mehr ganz zu unseren heutigen Seh- und Hörgewohnheiten passt.

    Warum das Spiel trotzdem ein Meisterwerk bleibt

    Day of the Tentacle Remastered ist nicht nur Kult, sondern bietet Nostalgie in einem wunderschönen modernen Gewand. Die handgezeichnete Grafik wurde so liebevoll überarbeitet, dass sie exakt so aussieht, wie wir das Spiel in unserer oft etwas verklärten Erinnerung vor unserem inneren Auge haben. Für den ultimativen Nostalgiekick sorgt eine kleine, aber magische Funktion: Mit nur einem Tastendruck kann man jederzeit fließend zwischen der neuen Grafik und der originalen, pixeligen Version mitsamt dem klassischen Kästchen-Menü und der alten Musik hin- und herschalten. Das fühlt sich jedes Mal an wie eine Zeitreise in die eigene Jugend.

    Letztlich ist Day of the Tentacle Remastered ein entspannendes Wohlfühlspiel. Es bietet die perfekte Gelegenheit, einfach mal die Seele baumeln zu lassen, ohne von modernen Spielmechaniken oder ständigen Reizüberflutungen genervt zu werden.