Hitster, Raab & Gladiator: RTL-Unterhaltungschef verrät die Pläne für 2026

Mike Powelz | © Mike Powelz Mike Powelz
16.01.2026 um 10:00 Uhr
    Seit 2022 verantwortet Markus Küttner die für RTL wichtigen Shows im Alleingang. | © RTL
    Seit 2022 verantwortet Markus Küttner die für RTL wichtigen Shows im Alleingang. Unter Küttners Ägide bleiben von seinen Vorgängern etablierte Formate wie das Dschungelcamp, „Let’s Dance“ oder „Bauer sucht Frau“ erfolgreich, doch etliche Neuentwicklungen wie „Die Pumuckl Show“ oder „Die Stefan Raab Show“ floppen komplett.  | ©RTL

    RTL-Unterhaltungschef Markus Küttner spricht im Interview über die Stärken und Schwächen von Shows wie dem Dschungelcamp.

    Das Jahr 2025 war kein gutes für viele Show-Formate bei RTL. Unmittelbar nach dem Abgang von Thomas Gottschalk bei „Denn sie wissen nicht, was passiert“ brachen die Einschaltquoten brutal ein. Das einst erfolgreiche „Sommerhaus der Stars“ verlor Millionen von Zuschauern. Und selbst die so massiv beworbene „Stefan Raab Show“ erwies sich als regelrechtes Quotendesaster, das Format wurde zudem Ende Dezember von den Usern des Online-Branchenmagazins „DWDL“ zur „medialen Peinlichkeit des Jahres 2025“ gewählt.

    Immerhin einen Silberstreif am Horizont gibt es: „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ (ab 23. Januar bei RTL) dürfte auch im 19. Jahr für Topquoten sorgen und dank Werbepreisen von bis zu 100.000 Euro für einen 30-Sekunden-Spot ordentlich Geld in die RTL-Kasse spülen.

    Doch welche Bilanz zieht RTL-Unterhaltungschef Markus Küttner hinsichtlich der Stärken und Schwächen seiner Formate? Wir trafen ihn zum Exklusiv-Interview über seine Tops und Flops – etwa die „Stefan Raab Show“.

    TV DIGITAL: Das Dschungelcamp ist seit über 20 Jahren eine feste RTL-Marke. Welche neuen Impulse gibt es 2026 – etwa neue Prüfungen, neue Regeln oder strukturelle Änderungen? 

    Markus Küttner: Neue Prüfungen gibt es tatsächlich jedes Jahr. Natürlich haben wir ein paar wiederkehrende Klassiker wie den „Creek der Sterne“, aber rund 90 Prozent sind neu. Ich habe mir vor ein paar Wochen einige davon vor Ort angeschaut – da kommt schon was auf uns zu. Sehr schöne, kreative Prüfungen. Aber was jede Staffel besonders macht, ist natürlich der komplett neue Cast. Sonja Zietlow ist seit der ersten Sendung dabei, Jan Köppen steht ihr seit einigen Jahren zur Seite, und Dr. Bob ist sowieso gesetzt. Aber die zwölf Promis geben jeder Staffel ihre eigene Farbe. Und es wird eine größere Änderung geben – die kann ich leider noch nicht verraten. Der Dschungel ist live – und die Überraschung kommt direkt in der ersten Show. So viel sei gesagt: Es wird besonders. 

    TV DIGITAL: Das ist schon mal ein Appetizer. Wie stark mischst du selbst bei der Kandidatenauswahl mit? 

    Markus Küttner: Ich bin sehr stark eingebunden, auch wenn ich die Promis nicht persönlich treffe – das übernimmt Pamela Kretschmer von der Dschungel-Produktionsfirma ITV. Sie trifft sich mit den potenziellen Kandidaten. Wir kommen Mitte Februar aus Australien zurück, und im März startet schon das erste Vorbereitungstreffen für die neue Staffel. Ab dann treffen wir uns alle drei bis vier Wochen, hängen die Porträts der infrage kommenden Stars an die Wand, diskutieren, sortieren – und spätestens im Herbst steht der Cast. 

    TV DIGITAL: Nach welchen Kriterien werden die Prominenten ausgewählt – eher Konfliktpotenzial oder Bekanntheitsgrad? 

    Markus Küttner: Am Ende zählt die Mischung – eine gute Balance aus Jung und Alt, aus verschiedenen Welten. Influencer und Social-Media-Stars spielen heute eine ebenso große Rolle wie klassische Prominente. Und es ist natürlich immer toll, wenn wir jemanden wie Gunter Gabriel dabeihaben – da war meine Mutter begeistert, weil sie ihn noch aus ihrer Jugend kannte. Klar, Konflikte können ein Erfolgsfaktor sein, aber wir suchen nicht gezielt nach Streithähnen. Die Konstellation muss einfach spannend sein und gute Unterhaltung versprechen. 

    TV DIGITAL: Ist Gil Ofarim der größte Fang dieser Staffel? 

    Markus Küttner: Ich kann verraten, dass wir Gil Ofarim schon vor zehn Jahren das erste Mal angefragt haben. Wir dachten immer: Der wäre super – spannende Persönlichkeit, Kinderstar, Popstar, riesige Musikkarriere unter anderem in Asien, „Let's Dance“-Gewinner. Und er ist natürlich mehr als die Schlagzeilen der letzten Jahre. Ein toller Name für uns. Ob er der größte Fang ist? Das beurteile ich, wenn die Staffel gelaufen ist. 

    TV DIGITAL: Gibt es bei den Gagen eine klare Obergrenze – oder gilt: Wer Quote bringt, darf auch mehr kosten? 

    Markus Küttner: Wer wirklich Quote bringt, weiß man immer erst hinterher. Wir haben schon hohe Gagen für Menschen gezahlt, die im Camp kaum aufgefallen sind – und umgekehrt. Es ist immer eine Mischkalkulation. Eine klar definierte Obergrenze gibt es nicht, aber natürlich einen Budgetrahmen. Und ja: Wenn wir in eine Show Helene Fischer und die Flippers einladen, kostet Helene eben mehr – beim Dschungel ist es genauso. 

    TV DIGITAL: Wie laufen die Verhandlungen konkret ab – und wer entscheidet am Ende, wer wie viel Geld wert ist? 

    Markus Küttner: Das sind ganz normale Verhandlungen. Wir haben ein Budgetrahmen für die Show, und darin bewegen wir uns. Die finale Entscheidung, wer dabei ist, liegt bei mir. 

    TV DIGITAL: Wird Social Media heute bei der Castingstrategie stärker berücksichtigt als klassische Prominenz? 

    Markus Küttner: Durchaus. 2004, als wir angefangen haben, gab’s ja noch nicht mal Facebook. Heute verschwimmen die Grenzen zwischen klassischer und Social-Media-Prominenz. Und Social Media bedeutet Reichweite. Mit Twenty4Tim haben wir zum Beispiel viele junge Zuschauer erreicht. Meine Tochter war damals 16 und sagte: „Papa, der Dschungel ist ein großes Thema auf dem Schulhof.“ Genau das wollen wir – gerade in Zeiten, in denen lineares Fernsehen bei jungen Leuten an Bedeutung verliert. 

    TV DIGITAL: Wenn du deine großen Showmarken vergleichst – neben dem Dschungel zählen ja besonders „Let's Dance" und „Wer wird Millionär?" dazu: Welche ist aktuell die wichtigste für RTL, und welche landet auf Platz zwei und drei? 

    Markus Küttner: Das ist wie mit Kindern – man hat sie alle gleich lieb. Deshalb stehen für mich alle drei auf Platz eins. Der Dschungel war 2025 mit dem Schritt in die 20:15-Uhr-Primetime ein voller Erfolg, ein echtes Family-Event. Im Februar kommt „Let's Dance“, unser Lagerfeuer-Format, bei dem sich drei Generationen gemeinsam vor dem Fernseher versammeln. Und „Wer wird Millionär?“ ist seit über 25 Jahren eine Bank. Günther Jauch ist nach wie vor der perfekte Gastgeber. Das Format bleibt ein Dauerbrenner. 

    TV DIGITAL: „Wer wird Millionär?" ist ein Evergreen – stabil, auch dank starker Specials. Gibt es einen Plan, die Marke frisch zu halten, ohne sie zu verbiegen? 

    Markus Küttner: Ja – genau das gelingt uns über die Specials: Die 3-Millionen-Woche etwa sorgt für frischen Nervenkitzel. Dazu kommen Oster-, Weihnachts- und Promi-Specials. Das hält das Format lebendig. Und das Wichtigste: Günther Jauch hat nach wie vor Lust, die Sendung zu moderieren. Solange das so bleibt, ist alles gut. 

    TV DIGITAL: Das heißt in anderen Worten: Man soll nicht auf Teufel komm raus an einem bewährten Konzept herumfummeln, nur um etwas Neues zu machen? 

    Markus Küttner: Exakt. Das klare Konzept – zehn Fragen, eine Million – trägt uns seit über 25 Jahren. Warum also daran rütteln? 

    TV DIGITAL: Die „Stefan Raab Show" kommt weiterhin auf keinen grünen Zweig, die Quoten werden inzwischen fast routiniert als „gewohnt schwach" kommentiert. Was ist deine nüchterne Diagnose – liegt es am Konzept, am Sendeplatz, an der Frequenz?

    Markus Küttner: Mit Stefan Raab haben wir einen der markantesten TV-Macher seiner Generation zu RTL geholt, der mit ‚Chefsache ESC‘ bereits bewiesen hat, wo seine Stärken liegen und wieviel Kraft er damit entfalten kann. Wir bewerten die Performance der Raab-Projekte holistisch und beziehen die Performance linear, aber auch im Streaming und im Gesprächswert mit ein. Wie alle Inhalte unseres Hauses wird auch „Die Stefan Raab Show“ kontinuierlich gemeinsam mit den Teams weiterentwickelt.  

    TV DIGITAL: „Denn sie wissen nicht, was passiert" hat nach dem Abschied von Gottschalk, Jauch und Schöneberger historische Tiefstwerte eingefahren. Hat der Quotendesaster Konsequenzen für die Zukunft des Formats? 

    Markus Küttner: „Quotendesaster“ ist mir ehrlich gesagt zu drastisch. Nach dem Abschied dieser außergewöhnlichen Dreierbesetzung war klar, dass wir nicht sofort wieder die alten Zahlen erreichen. Und es war ein Abend mit harter Konkurrenz. Trotzdem ist „Denn sie wissen nicht, was passiert“ eine starke Marke, die wir gemeinsam mit der Produktionsfirma I&U weiterentwickeln wollen. Was genau 2026 passiert ist aber noch offen. 

    TV DIGITAL: Ist das „Sommerhaus der Stars" für dich noch ein klassisches RTL-Format oder eher ein RTL+-Format, das linear nur noch mitläuft? Und habt ihr eine Vision für 2026 – eine radikale Überarbeitung, eine bewusste Pause, oder glaubst du noch an ein lineares Comeback? 

    Markus Küttner: Für mich funktioniert das Sommerhaus auf beiden Ausspielwegen. Klar, im Linearen haben wir etwas verloren – dafür sind wir im Streaming umso stärker. Am Ende haben wir mit der letzten Staffel sogar insgesamt mehr Zuschauer erreicht als in den beiden Jahren zuvor.  Und ja, ich glaube, dass wir auch linear wieder zweistellige Marktanteile schaffen. Das Konzept funktioniert – es gibt aktuell keinen Grund für eine Generalüberholung. 

    TV DIGITAL: Wo siehst du persönlich die größten Stärken von RTL im Unterhaltungsbereich – und wo hast du Baustellen identifiziert? 

    Markus Küttner: RTL steht für starke Marken, große Vielfalt und Verlässlichkeit. Das ist unsere Basis – und unser Erfolg. Natürlich gibt’s auch Formate, die nicht zünden. Das gehört dazu. Wichtig ist: Unsere Top-Marken laufen – „Bauer sucht Frau“ hatte 2024 die stärkste Staffel seit sechs Jahren. Dazu kommen Shows wie zum Beispiel „Die Verräter“, „Ninja Warrior Germany“ oder „Mario Barth deckt auf“. Die Herausforderung bleibt: starke Marken pflegen und stetig Neues ausprobieren. Vielleicht haben wir ja 2026 das nächste große Ding. 

    TV DIGITAL: Worauf dürfen sich die RTL-Zuschauerinnen und -Zuschauer 2026 ganz besonders freuen – was ist an neuen Shows in der Pipeline? 

    Markus Küttner: Wir zeichnen demnächst „Hitster“ auf – eine Show, inspiriert vom gleichnamigen Gesellschaftsspiel. Die produzieren wir mit der UFA, und ich bin sehr optimistisch, dass das etwas richtig Gutes wird. Dann kommt „Gladiators“ – ein großes Show-Event à la „Ninja Warrior“. Produziert wird von RTL Studios. Und im März zeigen wir „Legenden der Comedy“ mit Mario Barth – aufgezeichnet im Theater in Duisburg. Großes Ding, richtig gut. 

    TV DIGITAL: Beim Gesellschaftsspiel „Hitster" sortiert man ja Songs chronologisch ein. Wird es in der Show auch Künstlerauftritte geben? 

    Markus Küttner: „Hitster“ lebt vom Tempo – Song hören, einsortieren, zack, weiter. Wenn da plötzlich Künstler auftreten, verlieren wir genau das. Deshalb bleiben wir ganz nah am Spielprinzip 

    TV DIGITAL: Gibt es ein Format, das du persönlich gerne zurückholen würdest? 

    Markus Küttner: Ja, „7 Tage, 7 Köpfe“. Ich habe die Show damals als junger Redakteur betreut – das hat mir riesigen Spaß gemacht. Ich weiß noch, wie ich im Freundeskreis ständig erklären musste, warum ich mit Rudi Carrell, Bernd Stelter und Jochen Busse arbeite. Viele hatten Vorurteile – aber die Show war in Wahrheit wahnsinnig lustig. Und ich hätte wirklich Lust, wieder so ein Format zu machen. 

    TV DIGITAL: Wenn du selbst in den Dschungel gingest – was wäre dein persönlicher Luxusartikel, und was würdest du reinschmuggeln? 

    Markus Küttner: Ich bräuchte definitiv ein vernünftiges Kopfkissen – das ist ab einem gewissen Alter wirklich Gold wert. Und ein schönes Foto von meiner Familie. Das stelle ich mir übrigens auch jedes Jahr in Australien auf den Nachttisch. Und reinschmuggeln? Ganz klar: Kaffee. Zweieinhalb Wochen ohne wären unvorstellbar. 

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