Rasant und günstig: BYD erobert mit viel Speed den deutschen Markt

Olaf Schilling | © privat Olaf Schilling
27.03.2026 um 10:00 Uhr
    BYD ATTO 2 DM-i | © BYD
    BYD ATTO 2 DM-i: Der Dual-Mode intelligent (DM-i) ist ein raffiniertes Plug-inHybrid-System | ©BYD

    Unser Autoexperte Olaf Schilling über BYD und die Erfolgspläne der Chinesen für den deutschen Markt.

    Nach einem eher schleppenden Start von BYD auf dem deutschen Markt setzt der asiatische Autobauer verstärkt auf vergleichsweise günstige Preise sowie neue Werke, Marken und Modelle. Ordentlich Gas geben die Chinesen zudem in Sachen Flash-Charger (s.u.). Deutschland-Chef Lars Bialkowski nennt es selbstbewusst „BYD-Speed“. Auf jeden Fall kann es nicht schnell genug gehen: Recht rasant wird das Händlernetz bis Ende 2026 auf mindestens 350 Filialen ausgebaut und das Angebot zügig auf elf Modelle erweitert. „Wir wollen schnell Marktanteile gewinnen“, so Lars Bialkowski. Dies schließt das Ziel ein, 2026 die Neuzulassungen von 23.306 auf 50.000 mehr als zu verdoppeln.

    Das aufgeräumte Cockpit im BYD ATTO 2 DM-i. | ©BYD

    Die drei Buchstaben BYD stehen für „Build Your Dreams“. Trotzdem sind das keine Träumereien. Denn gerade einmal 23 Jahre nach Gründung der Automobilsparte sind. die Chinesen bereits einer der größten Autohersteller der Welt und haben 2025 weltweit am meisten Elektroautos verkauft. Noch dazu baut BYD als einer der wenigen eigene Batterien und verkauft sie sogar an die Konkurrenz. Ein wichtiger Faktor, denn Batterien machen bei Stromern einen erheblichen Teil der Wertschöpfung aus – und zwar bis zu 40 Prozent. „Die Branche verändert sich grundlegend, und BYD bringt alles mit, um genau diesen Wandel mitzugestalten“, freut sich Lars Bialkowski und ergänzt: „Wir haben sehr, sehr hohe Ambitionen für die nächsten Jahre.“

    BYD DENZA Z9 GT: Der schicke Gran Turismo tritt als Plug-in-Hybrid mit 895 PS und vollelektrisch mit 965 PS an | ©BYD

    Damit sie auch Realität werden, spielt das gute Preis-Leitungs-Verhältnis eine zentrale Rolle. So kostete der Kleinwagen Dolphin Surf anfangs zum Beispiel nur 19.990 Euro. Zusätzlich macht BYD immer wieder durch spektakuläre Preisaktionen auf sich aufmerksam: Am Black Friday im vergangenen Jahr wurden teilweise Rabatte von bis zu 18.000 Euro gewährt. Bei der jüngsten Aktion gibt es bis Ende März zusätzlich zur staatlichen Prämie* je nach Modell einen E-Bonus in Höhe von mehreren Tausend Euro (ob sie verlängert wird, stand bei Redaktionsschluss nicht fest).

    BYD YANGWANG U9 XTREME: Der Supersportwagen hat vier E-Motoren mit insgesamt mehr als 3000 PS und schafft bis zu 496,22 km/h. | ©BYD

    Jüngster Neuzugang ist der BYD Atto 2 DM-i. Der Plug-in-Hybrid startet bei 35.990 Euro. Die Kombination aus 1,5-Liter-Benzinmotor sowie zwei E-Motoren bietet bei der kleineren Version eine Systemleistung von 166 PS und bei der größeren 212 PS. Mit der 18,3-kWh-Batterie (Alternative: 7,8 kWh) schafft er eine rein elektrische Reichweite von bis zu 90 Kilometern (Stadt: 150 Kilometer) – insgesamt sind es stolze 1000. Dabei wird er primär durch zwei E-Motoren angetrieben. Der Benziner fungiert meist nur als Stromgenerator und arbeitet entkoppelt von den Rädern. Erst bei höheren Geschwindigkeiten und Belastungen greift er mit ein. „Die Kombination aus rein elektrischer Leistung und enormer Reichweite im realen Fahrbetrieb macht dieses Auto einzigartig in seiner Klasse“, schwärmt Bialkowski.

    Der Übergang zwischen E-Antrieb und Hybridmodus klappt geschmeidig und nahezu unmerklich. Überhaupt lässt sich der BYD Atto 2 DM-i handlich, komfortabel und ausreichend zügig bewegen (Fahrwerte der stärkeren Version: 7,5 s von 0–100 km/h und 180 km/h Spitze). Außerdem wird viel Platz vorn und im Fond geboten mit einer guten Bein- und Kopffreiheit, hinzu kommt ein sehr ordentlicher und varibaler Kofferraum (425 bis 1335 Liter).

    BYD will in Europa produzieren

    Auch in Sachen Europa-Strategie lässt der Autobauer nichts anbrennen. Bialkowski: „Langfristig wollen wir als europäischer Anbieter wahrgenommen werden.“ Bald eröffnet das Werk im ungarischen Szeged, produziert wird dort zuerst der kleine Stromer Dolphin Surf. Somit entfällt zeitnah der Strafzoll der EU und der Dolphin Surf dürfte voraussichtlich günstiger als bisher angeboten werden. Schnell sollen weitere Modelle aus Europa folgen, gleiches gilt für ein Werk in der Türkei. Auch über eine neue Fabrik in Spanien wird bereits nachgedacht.

    Neben einer neuen Plattformarchitektur bringt BYD seine eigene Ladeinfrastruktur nach Deutschland. Noch in diesem Jahr sollen die ersten Flash-Charger mit einer maximalen Ladeleistung von mehr als einem Megawatt bei Händlern installiert werden. „China-Speed“ lautet das Motto auch hier: Mit Ladeleistungen von bis zu 1500 kW ist die Batterie eines E-Autos in rasanten fünf Minuten voll geladen – und der Vorgang geht somit fast so schnell wie das Betanken eines Benziners über die Bühne. Somit verliert die Reichweitendiskussion Schritt für Schritt deutlich an Gewicht. | ©BYD

    Ziemlich schnell will der BYD-Konzern noch mehr Marken aus seinem Portolio nach Deutschland bringen. Die Premiumbrand Denza schickt im Mai den vollelektrischen Porsche-Fighter Z9 GT an den Start, 2027 soll die Luxusmarke Yangwang folgen. Deren elektrischer Supersportwagen U9 Xtreme stellte kürzlich auf der Teststrecke im deutschen Papenburg einen neuen Rekord auf: 496,22 km/h machen ihn zum schnellsten Serienstromer der Welt. Das nennt man im wahrsten Sinne des Wortes „China-Speed“.