So viel verdienen Profi-Tennisspieler

Rafael Nadal, Venus und Serena Williams, Steffi Graf und Boris Becker sind selbst Tennis-Laien ein Begriff. Dass sie als Profi-Sportler gut verdienen, ist ebenfalls kein Geheimnis. Doch welche Preisgelder gibt es überhaupt und wie ist das Gehalt der Profis gestaffelt? Wir klären auf.

Seit Jahren schon gibt es Diskussionen um die Preisgelder und das Gehalt der Tennisspieler. Erst 2019 brach eine erneute Debatte darüber aus, dass die Preisgelder jährlich steigen, dieses Geld jedoch nur auf die Sieger aufgeteilt wird und nicht auf die Spieler, die eher ausscheiden. Die aktuelle Preisverteilung bevorzugt klar die bereits etablierten Größen im Tennis: der Erstplatzierte der US Open erhält fast zwei Millionen Euro, wer in der ersten Runde ausscheidet, verdient knapp über 24.000 Euro. Scheidet ein Spieler in der zweiten Runde aus, erhält er immerhin etwas über 88.000 Euro – ein gewaltiger Unterschied zur Runde davor.

Deswegen haben sich etwa 100 Profi-Tennisspieler 2019 zusammengefunden, um eine Gewerkschaft zu gründen, die der Preisschere Einhalt gebieten soll. Dazu soll unter anderem auch geregelt werden, dass ein größerer Teil der Einnahmen an die Tennis-Stars verteilt wird. Spieler wie Novak Djokovic stehen hinter der gerechteren Verteilung der Preisgelder, sprechen sich aber auch dafür aus, das Preisgeld weiterhin hoch zu halten. Die Grand Slam Turnierleitungen setzen sich nicht mit der Gewerkschaft auseinander, Wimbledon und die US-Open-Leiter haben sich gegen die Vorschläge ausgesprochen.

Von den Preisgeldern müssen nicht nur gewöhnliche Lebenshaltungskosten gedeckt werden. Reisekosten wie Flugtickets und Hotels werden damit ebenfalls beglichen. Auch Trainer, Manager und das Sportequipment wollen bezahlt werden.

Preisgelder der Grand-Slam-Turniere 

Die vier Grand-Slam-Turniere sind nicht nur medialisierter und prestigereicher, sie bringen auch mehr Geld ein, als die kleineren ATP-Turniere. Die Grand Slam Turniere vergeben auch nicht gleich viel Preisgeld. Hier ein Beispiel der Australian Open aus 2020:

Runde Preisgeld
Gewinner 2.555.000 €
Finalist 1.280.000 €
Halbfinalist 868.000 €
Viertelfinalist 325.000 €
4. Runde 186.000 €
3. Runde 112.000 €
2. Runde 80.000 €
1. Runde 56.000 €
Qualifikation 12.500 €

Die Preisgelder der anderen Grand Slams sind ähnlich hoch. Bei den US Open konnte der Sieger 2019 etwa 3,4 Millionen Euro gewinnen, wer es in das Viertelfinale schaffte, gewann rund 440.000 Euro. Wimbledon zahlte dem Gewinner 2019 rund 2,6 Millionen Euro, bei den French Open gab es immerhin noch 2,3 Millionen Euro. 

Die oben genannten Preisgelder gelten nur für die Einzel-Matches. Spieler in Doppeln verdienen deutlich weniger.

Doppel und gemischtes Doppel: so gering fallen die Prämien im Vergleich aus

Zwar gibt es keine Gender Pay Gap (mehr), aber die Verteilung der Preisgelder ist trotzdem nicht immer gerecht. Die Teilnehmer im Doppel beziehungsweise gemischten Doppel verdienen im Vergleich zu den Einzelkämpfern deutlich weniger. 

Zum besseren Vergleich hier die Zahlen des Australian Open für die Doppel:
 

Runde Preisgeld pro Team
Gewinner 467.000 €
Finalist 233.000 €
Halbfinalist 123.000 €
Viertelfinalist 67.700 €
3. Runde 38.000 €
2. Runde  23.300 €
1. Runde 15.400 €

Verglichen mit den Preisgeldern in Millionenhöhe der Einzeldisziplin, verdient ein gleichgeschlechtliches Doppel deutlich weniger. Es kann argumentiert werden, dass das an der geringeren Anzahl der Runden sowie einer anderen Art der Qualifikation liegt. Ähnliches lässt sich bei den Teams im gemischten Doppel ebenfalls sagen. Auch hier fallen die Preisgelder bei den Australian Opens geringer aus:

 

Runde Preisgeld pro Team
Gewinner 117.000 €
Finalist 61.500 €
Halbfinalist 31.000 €
Viertelfinalist 15.000 €
2. Runde 7.380 €
1. Runde 3.840 €

Wer verdient am besten: Top-10-Verdiener

Dass Sportler ihr Geld nicht nur durch die Turnierprämien gewinnen, wissen wir nicht erst dank zahlreicher Talkshow-Auftritte von Boris Becker oder diverser Werbedeals von Serena Williams (unter anderem Gatorade, Nike, Apple und Beats). In unserer Aufstellung konzentrieren wir uns allerdings nur auf die bisher gewonnen Preisgelder. So ist es einfacher, die Tennisprofis miteinander zu vergleichen.

Die Pay Gap im Tennis: das Match steht noch aus

Bei den Grand-Slam-Turnieren verdienen Tennisspielerinnen und Tennisspieler das gleiche. Allerdings galt diese Regelung lange Zeit nicht. Erst als Billie Jean King, legendäre US-Tennisspielerin, 1973 drohte, die US Open zu boykottieren, sollte die Pay Gap zwischen den Gendern nicht abgeschafft werden, wurden die Preisgelder der US Open für Frauen denen der Männer angepasst. Wimbledon hingegen hielt noch bis 2007 an der ungleichen und ungerechten Bezahlung der TennisspielerInnen fest. Venus Williams setzte sich unter anderem bereits 2005 für die gleichberechtigte Bezahlung im Profi-Tennis ein.

Obwohl die großen Turniere mittlerweile gleich zahlen, besteht die Gender Pay Gap weiterhin. Die 100 besten Athletinnen verdienen etwa 20 Prozent weniger als die Top 100 der männlichen Spieler – also nur 80 Cent pro verdientem Dollar. Ersichtlich wird diese Diskrepanz auch in unserer Liste: Serena Williams gewann mehr Grand-Slam-Turniere als ihre männlichen Kollegen – und erhielt trotzdem weniger Preisgeld insgesamt.

2018 traten Venus und Serena Williams der Billie Jean King Leadership Initiative bei, die sich für den gleichen Verdienst der Gender in jeder Sportart einsetzt. 

Veröffentlich am 30.06.2020
Aktualisiert am 28.09.2020
Quellen
  • https://de.statista.com/statistik/daten/studie/460963/umfrage/bestbezahlte-tennisspieler-weltweit/
  • https://www.tennis-insider.de/tennisspieler-kampfen-ums-uberleben/
  • https://www.vermoegenmagazin.de/tennis-preisgeld-rangliste/
  • https://de.statista.com/statistik/daten/studie/308113/umfrage/wimbledon-preis-herren-doppel/
  • https://www.sueddeutsche.de/sport/tennis-preisgeld-us-open-1.4580652
  • https://www.spox.com/de/sport/mehrsport/tennis/2001/Artikel/australian-open-2020-preisgeld-und-praemien.html
  • https://www.sportlexikon.com/tennis-tennisturniere
  • https://www.tennismagazin.de/news/preisgeld-australian-open-2020-tennis-nadal-djokovic-federer-zverev-williams-kerber-melbourne/
  • https://de.statista.com/statistik/daten/studie/215969/umfrage/karriere-preisgeldeinnahmen-von-tennis-profis-auf-der-atp-tour/
  • https://www.sport1.de/tennis/wta/2018/11/tennis-wta-die-preisgeld-rangliste-der-spielerinnen#id=1A8B135C-E275-11E8-B08E-B8CA3A67761C
  • https://www.ran.de/tennis/bildergalerien/karriere-preisgeld-djokovic-federer-und-co-die-reichsten-tennisspieler-der-geschichte
  • https://rp-online.de/sport/tennis/ewige-preisgeldliste-im-damen-tennis_iid-23678599#1
  • https://rp-online.de/sport/tennis/ewige-preisgeldliste-im-herren-tennis_bid-8819887#1
  • https://www.sportbuzzer.de/gallerie/die-10-bestbezahltesten-tennis-profis/
  • https://www.nytimes.com/2019/10/11/sports/tennis/grand-slam-prize-money.html
  • https://www.usopen.org/en_US/visit/prize_money.html
  • https://www.wimbledon.com/pdf/Championships2019_Prize_money.pdf
  • https://www.rolandgarros.com/en-us/article/roland-garros-2019-new-prize-money-tournament-revealed
  • https://ausopen.com/articles/news/record-71-million-prize-money-australian-open-2020
  • https://www.cnbc.com/2019/09/11/despite-equal-grand-slam-tournement-prizes-tennis-still-has-a-pay-gap.html
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Novak_Đoković