Es gibt weniger als 10.000 Rote Pandas weltweit

Der Rote Panda: So lebt der niedlichste Teddy der Welt

24.11.2021 um 16:46 Uhr

So niedlich der Rote Panda ist, er hat große Ansprüche: Nur unberührte Wälder können sein Überleben sichern. Die TV-Doku „Verborgen im Himalaya“ aus der Reihe „Expeditionen ins Tierreich“ zeigt, wie der kleine Panda in seinen Heimatländern endlich geschützt wird.

Ein Artikel von Hörzu-Reporterin Dago Weychardt

Drolliger geht es kaum. Die Stupsnase und die Knopfaugen bilden ein niedliches Dreieck. Auf den weißen Pausbacken leuchten kecke rote Streifen. Rücken und Schwanz sind rostrot, Bauch und Beine schwarz. Der pummelige Körper steckt in einem dichten Puschelfell, das gut wärmt. Kein Zweifel, der Kleine oder Rote Panda ist so niedlich, dass man ihn am liebsten knuddeln möchte. Schon der französische Zoologe Frédéric Cuvier geriet 1825 in Verzückung über das in seinen Augen „schönste Säugetier der Welt“. Herzensbrecher im Himalaya Dabei taugen die entzückenden Tiere nur aus der Ferne als Herzensbrecher. Kleine Pandas leben scheu und einzelgängerisch an der Südostflanke des Himalaya in Bambuswäldern in Höhen von 1500 bis 4200 Metern. Mithilfe ihrer scharfen Krallen laufen sie senkrecht am Baumstamm hoch und hinunter.

„Aber sie springen nicht von Ast zu Ast“, sagt der Tierfilmer Dr. Axel Gebauer.  „Am schwierigsten war es, sie überhaupt vor die Kamera zu bekommen.“ In drei Jahren hat der Biologe sechs Drehreisen nach Nepal, Bhutan und Indien unternommen. Ihm gelang ein höchst sehenswertes Porträt (24.11., 20.15 Uhr im NDR)  der kaum erforschten, zurückgezogen lebenden Art, mit faszinierenden Szenen vom Liebeswerben und Familienleben. Mit ihrem Namensvetter, dem Großen Panda, ist die Gattung übrigens nicht verwandt. Auf Nepalesisch heißt „Ponja“ Bambusfresser, woraus Panda abgeleitet wurde.

Zur Paarungszeit der Bären setzt es Backpfeifen

Kleine Pandas ernähren sich hauptsächlich von Bambusschösslingen, selten von Beeren, Früchten, Nüssen und Kleintieren. Die kalorienarme Kost liefert wenig Energie. Deshalb müssen die drei bis sechs Kilo schweren Bären Kraft sparen. Sie verschlafen den Tag in ihrem Versteck oder einer Astgabel. Wenn sie am Nachmittag erwachen, lecken sie sich nach Katzenart sauber, daher ihr Zweitname Katzenbär. Dann wird gefressen, etwa ein Drittel des Eigengewichts pro Tag. Viel mehr passiert nicht bei den Faultieren des Himalaya – außer zur Paarungszeit zwischen Dezember und Februar. Dann geht der Rote Panda auf Brautschau. Er zwitschert seiner Auserwählten ein Liebeslied, das eher nach Vogel als nach Bär klingt. Ist sie noch nicht in Laune, wird sie garstig. „Dann setzt es auch mal eine Backpfeife“, so Gebauer. Erst wenn das Weibchen empfängnisbereit ist, duldet es ihn kurz in seiner Nähe.

Gut vier Monate später polstert es die Geburtshöhle mit Reisig, Blättern und Moos aus, beschnuppert jede Ecke. War ein Marder hier? Ist alles sicher? Die Jungen kommen winzig, blind und fast nackt zur Welt. Gut drei Monate bleiben sie im Schutz der Höhle. Mit knapp einem Jahr verlassen sie die Mutter. Bildhübscher Bär bedroht Schätzungen zufolge haben sich die Bestände in den letzten 50 Jahren halbiert auf nicht einmal 10.000 Exemplare. Straßenbau, Holzeinschlag, Wilderei, Viehherden und Siedlungen gefährden die Art. Historisch hat der bildhübsche Bär in seinen Heimatländern Nepal, Bhutan, Indien, Tibet, Myanmar und dem südlichen China kaum eine Lobby. Doch das ändert sich.

Bestand halbiert: Es gibt nur noch weniger als 10.000 Rote Pandas

In Nepal engagiert sich die Organisation Red Panda Network (RPN) stark für Schutz, Forschung und Umweltbildung, arbeitet mit den Behörden zusammen. Ein Projekt ging kürzlich zu Ende: In Panchthar und angrenzenden Distrikten wurden 2019 erstmals zehn Pandas mit GPS-Halsbändern besendert. Auch Kamerafallen kamen zum Einsatz. Nun gibt es Ergebnisse: „Rote Pandas halten sich vor allem dort auf, wo sie ungestört sind vor menschlichen Einflüssen“, erklärt Biologe Sonam Tashi Lama vom RPN. „Wird eine Straße gebaut, ist sie eine fast unüberwindliche Hürde für den Panda.“

In Nepal stehen ein Drittel ihres Lebensraums unter Schutz, etwa als Nationalpark. In zehn Distrikten patrouillieren rund 100 freiwillige Wächter des RPN, drei Distrikte sollen hinzukommen. 2022 dürften Fangemeinde und Bekanntheitsgrad weltweit deutlich wachsen, denn der Kleine Panda hat eine Rolle im neuen Disney-Pixar-Film „Turning Red“ ergattert. Hoffentlich hilft der Glamour aus Hollywood dem echten Charmeur im Himalaya.

„Expeditionen ins Tierreich: Verborgen im Himalaya“: Mittwoch, 24. November, 20.15 Uhr im NDR und in der ARD-Mediathek

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