Unabsehbare Gesundheitsfolgen

„Hart aber fair“: SO schlecht geht es Kinder in der Corona-Pandemie wirklich

04.05.2021 um 11:22 Uhr

In der Talkrunde von Frank Plasberg ging es diesmal um dem Leidensdruck von Kinder und Jugendlichen in Zeiten der Pandemie und die als Gast eingeladene Hanan schilderte, mit welchen Schwierigkeiten sie sich beim Distanzunterricht regelmäßig herumschlagen musste.

Es ist nicht so, dass wir nicht zurechtkämen. Aber es ist voll anstrengend", berichtete die junge Syrerin Hanan (19) aus Essen-Katernberg, bei "Hart aber fair" am Montagabend aus ihrem Homeschooling-Alltag

Während sie an ihrem Smartphone für ihre Ausbildung zur Sozialassistentin büffelte, kümmerte sie sich gleichzeitig um die vier Geschwister zwischen 4 und 17 Jahren, die an nur zwei Tablets ihre Schulaufgaben lösen mussten. Die Eltern arbeiteten beide, während die Schule zu war.

In dem einen Zimmer, wo alle fünf Geschwister gemeinsam zusammenhockten, "ist es immer laut", chaotisch auch. Deshalb wurde auch schon mal eine Mail an die falsche Lehrerin versendet. Oder die Aufgaben kamen nicht rechtzeitig an und wurden nicht bewertet, weil das WLAN zu schwach war . Ein konkretes Beispiel, das die Belastungen aller Kinder nachvollziehbar machen sollte: Seit beinahe anderthalb Jahren durften Schüler fast durchgehend nicht mehr zur Schule gehen oder unbeschwert ihre Freunde treffen.

Die "stillen Helden", die bisher klaglos die Pandemie erduldet hatten, standen 75 Minuten lang im Mittelpunkt von "Hart aber fair". Und die grundsätzliche Frage von Frank Plasberg an seine Gäste lautetet: Was ist schlimmer, die Gefahr durch Ansteckung oder die seelischen Schäden durch Schulschließungen?

"Anderthalb Jahre ohne regulären Schulbetrieb ist für Grundschüler eine sehr lange Zeit, für sie wirkt das wie fünf bis zehn Jahre", erklärte Aladin El-Mafaalani, Professor am Institut für Migrationsforschung und interkulturelle Studien der Universität Osnabrück. Und wie im Beispiel der syrischen Familie, sind aus seiner Sicht gerade Kinder aus sozialen Brennpunkten besonders betroffen.

Unabsehbare Gesundheitsfolgen des Übergewichts

Susanne Epplée, Kinderärztin und Leiterin des Sozialpädiatrischen Zentrums in Hamburg-Billstedt, wies auf die Problematik hin, dass bei behinderten Kindern in dieser Zeit körperliche Fehlstellungen nicht behandelt wurden und „nun operiert werden müssen". Eine weitere Problematik: Die noch unabsehbaren Gesundheitsfolgen des Übergewichts, das viele Kinder jetzt auf die Waage brachten, weil sie keinen Sportunterricht mehr hätten: In einer Umfrage gaben 38 Prozent der Schüler an, sich so gut wie gar nicht mehr zu bewegen.

Auch die zugeschaltete TV-Moderatorin Mareile Höppner bemängelte den Ausfall des Sportunterrichts: "Es ist nicht nur, dass sich die Kinder weniger bewegen, es ist auch die höhere Medienzeit". Mi ihrem zehnjährigen Sohn musste sie feste Medienzeiten aushandeln, sonst hätte er permanent am Bildschirm verweilt.

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek hatte als Vertreterin der Politik keinen einfachen Stand in der Talkrunde. Ein ums andere Mal beeilte sie sich zu versichern, dass die Kultusminister die schwierige Lage der Schüler im Blick hätten. "Aber der Staat hat auch eine Sorgfaltspflicht, für sicheren Unterricht zu sorgen", verteidigte sie den Distanzunterricht.

Quellen
  • WAZ: https://www.waz.de/kultur/fernsehen/hart-aber-fair-corona-schulschliessungen-kinder-jugendliche-anja-karliczek-id232202209.html