Jens Harzer brilliert mit Fehldiagnose.

"Ruhe! Hier stirbt Lothar" – der Psychodoc aus „Babylon Berlin“

27.01.2021 um 16:40 Uhr

Im TV-Drama "Ruhe! Hier stirbt Lothar" glaubt ein Unsympath (Jens Harzer), dass er unheilbar an Krebs erkrankt ist, doch „leider“ hat er eine Fehldiagnose bekommen.

Lothars langweilige Leben hatte bislang weder große Hochs noch Tiefs, doch dann erhält er eines Tages die Schockdiagnose: Lymphdrüsenkrebs im Endstadium! Nur noch wenige Monate bleiben ihm laut Meinung des Arztes. Er verkauft sein Haus, seine Firma, gibt seinen Hund ins Tierheim, das Ersparte auf ein Spendenkonto und zieht ins Hospiz. Wer rechnet schon damit, dass der Arzt eine Fehldiagnose gestellt hat und es sich bei den sichtbaren Symptomen nur um harmlose Melanome auf der Haut handelt.

Gespielt wird der angeblich sterbenskranke Fliesenhändler Lothar Kellermann von Theater-Star Jens Harzer, der nur selten im TV zu sehen ist und dann auch nur in Nebenrollen. In der Erfolgsserie „Babylon Berlin“ hatte der 48-Jährige als zwielichtiger Dr. Schmidt nur eine kleine Rolle, aber in der war er präsenter als viele Kollegen es jemals sein werden. Jens Harzer ist aktuell Träger des „Iffland-Ringes“. Der Ring ist eine Auszeichnung für den bedeutendsten und würdigsten Bühnenkünstler des deutschsprachigen Theaters“, der auf Lebenszeit verliehen wird. Vor Harzer war der Österreicher Bruno Ganz („Der Untergang“) bis zu seinem Tod 2019 der Träger des mit Diamanten besetzten Eisenrings.

Lothar mag sich selbst genauso wenig wie andere. Weil er so griesgrämig ist, hat er es sich mit seiner Familie und seinen Freunden längst verscherzt. Das Einzige, was er wirklich liebt, ist sein Hund Bosco. Und die marokkanischen Fliesen, die er in seinem Laden verkauft hat. Im Hospiz trifft er auf die offene, emotionale Rosa (Corinna Harfouch). Und verliebt sich. Als Lothar von der Fehldiagnose erfährt, muss er völlig mittellos und überfordert in sein altes Leben zurückkehren: ohne Haus, ohne Job, ohne Ersparnisse, ohne Hund.

„Was mich sofort begeistert hat, ist die Lakonie, der Witz und auch die Ernsthaftigkeit des Drehbuchs. Das erinnert an Woody Allen. Und ist wirklich komisch“, sagt Regisseurin Hermine Huntgeburth im Interview mit HÖRZU-Reporterin Mirja Halbig. Ihr gelingt es mit Bravour, die innige und zugleich ironische Liebe zu zeigen. „Es ist eine tiefe Beziehung, die die beiden führen. Das Äußere spielt keine Rolle, es geht nur um den Menschen.“

„Ruhe! Hier stirbt Lothar“, Mittwoch, 27. Januar, 20.15 Uhr im Ersten