Unhöflicher Moderator oder unerschrockener Journalist?

Markus Lanz: Sein „Grillstil“ polarisiert weiter die Zuschauer

10.05.2021 um 18:12 Uhr

Keine Frage, Markus Lanz befindet sich mit seiner Talkshow derzeit in der Erfolgsspur und rast von einem Quotenerfolg zum nächsten. Doch nicht alle ZDF-Zuschauer sind begeistert von dem Höhenflug des Moderators, der seine Gäste oft unterbricht und mit bohrenden Nachfragen „grillt“.

„Warum darf der das“, fragen sich scheinbar viele ZDF-Zuschauer und so ist auf dem facebook-Kanal des ZDF eine hitzige Debatte entbrannt, in die sich nun auch das ZDF eingeschaltet hat – und sich vor den Moderator stellt. "Lanz kann nicht ausreden lassen!", hatte Zuschauer Florian S. kommentiert und das ZDF antwortete: „Wir alle haben gelernt, im Gespräch das Gegenüber ausreden zu lassen. Im Alltag ist das ein ganz normales Gebot der Höflichkeit. Doch im Interview muss man die gute Schule manchmal ein Stück weit vergessen – im Dienst des Publikums.“

Für die Zuschauerin Heidi Negem eine Antwort, die an der Sache vorbei geht:  „Ein ständiges Unterbrechen ist erstens unhöflich und erweckt zweitens den Eindruck, dass es Lanz weniger um kritische Nachfragen als um Selbstdarstellung geht. Wenn Lanz meint, dass die Zeit nicht reicht, dann sollte er weniger Gäste einladen oder ihr gebt ihm einfach mehr Sendezeit und das Problem ist gelöst.“

„Markus Lanz“ spaltet die ZDF-Zuschauer in zwei Lager

Die Meinung von Heidi Negem teilen aber nicht alle ZDF- Zuschauer und sehen gerade in dem aggressiven, bohrenden Nachfragen ein Alleinstellungsmerkmal, das die Talkshow besonders sehenswert macht. „Ich finde es hervorragend, so kann sich niemand rausreden und Fragen ausweichen. „Markus Lanz müsste dies weniger tun, wenn seine Gäste konkrete Antworten geben würden. Er unterbricht ja auch nicht jeden“, schreibt die Userin Claudia S. und liegt damit auf der Linie des ZDF:

"Die Aufgabe eines Journalisten ist es, auch kritische Nachfragen zu stellen. Indem verschiedene relevante Aspekte abgefragt werden, sollen sich die Zuschauer ein Gesamtbild der Lage machen können. Dazu ist es für den Moderator manchmal notwendig, Interviewpartnern ins Wort zu fallen. Etwa, wenn sie mit ihren Antworten den Fragen ausweichen."

Bei der Talkshow, die seit 2008 von dem Südtiroler Lanz (52) moderiert wird, spielten Politiker in der Vergangenheit vergleichsweise selten die Hauptrolle, vielmehr waren Gäste aus dem Showbusiness gern gesehen, ähnlich wie bei der NDR-Talkshow. Als 2015 die Debatten um Flucht und Migration aufkamen, änderte sich langsam der Schwerpunkt. Seit Beginn der Corona-Krise ist „Markus Lanz“ fast ausschließlich eine Polit-Talkshow, obwohl sie beim ZDF nach wie vor unter "Unterhaltung" läuft. Themen sind Arbeitsmarkt- und Wirtschaftspolitik, Rassismus, das Rennen um die Kanzlerschaft – und, immer wieder und wieder, Corona. Man könnte denken, SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach hat inzwischen eine Art Zweitwohnsitz im Hamburger "Lanz"-Studio.

Gefeiert wird Markus Lanz auch von einem ehemaligen Kollegen: Reinhold Beckmann, der selbst von 1999 bis 2014 eine der wichtigsten TV-Talkshows moderiert hat, meinte in einem Interview mit dem RND: "Ich glaube, dass sich das pure Debattenfernsehen mit den immer gleichen Besetzungen und Mustern überholt hat (…) Das Publikum wird besser abgeholt, wo Raum ist für längere Gedanken und auch Zweifel. Die wesentlichen Gespräche werden deshalb bei Markus Lanz geführt."

"Markus Lanz": Immer Di - Do am späten Abend im ZDF

 

Quellen
  • Watson: https://www.watson.de/unterhaltung/analyse/938812005-er-wird-immer-aggressiver-was-hinter-dem-jubel-fuer-markus-lanz-steckt
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