Hollywoods Mr. Nice Guy als Grummelrentner

"Ein Mann namens Otto": Tom Hanks über seine Rolle als Grantler

02.02.2023 um 18:51 Uhr

Im US-Remake der schwedischen Tragikomödie über einen verbitterten Nachbar sorgt Oscarpreisträger Tom Hanks für große Gefühle und sagt: „Otto steckt in jedem von uns“  

Text: Hendrik Thies / Interviews: Anke Hofmann

Feste Routinen, null Veränderung und um Himmels Willen bitte keinen Small Talk! Nach diesen Prinzipien lebt der griesgrämige Otto (Tom Hanks), der nach dem Tod seiner Frau keinen Sinn im Leben sieht und keinerlei Freude mehr empfinden kann. Doch Ottos grauer Alltag wird auf den Kopf gestellt, als im Haus gegenüber die schlagfertige Marisol (Mariana Treviño) mit ihren Kindern einzieht…

Wem dieser Plot bekannt vorkommt, der erinnert sich womöglich noch an „Ein Mann namens Ove“. Die trocken-lakonische Tragikomödie von 2015 gehört bis heute in Schweden zu den erfolgreichsten Filmen aller Zeiten und wurde sogar mit zwei Oscar-Nominierungen geadelt. Genau wie das aktuelle US-Remake „Ein Mann namens Otto“ (ab 2. Februar im Kino) basiert sie auf einem Beststeller-Roman von Fredrik Backmann aus dem Jahr 2012.

„Ottos Bitterkeit ist ein Hilfeschrei nach Verbundenheit“

Für Superstar Tom Hanks, der in seiner langen Karriere bisher nur selten den Unsympathen verkörperte, ist Otto eine ungewöhnliche Rolle. Trotzdem fühlte sich der 66-Jährige von dem zunächst kratzbürstigen Senior angesprochen. „Otto ist jemand, für den alles so funktionieren muss, wie es gedacht ist. Er versteht nicht, warum irgendjemand sich nicht an eine Packungsanweisung hält oder sein Auto am Straßenrand abstellt, obwohl dort kein ausgewiesener Parkplatz ist“, so Hanks im Interview mit TV DIGITAL. „Ich behaupte, so ein Charakterzug steckt in jedem von uns. Natürlich auch in mir. Wären wir nicht alle etwas beruhigter, wenn jeder stets die Regeln befolgen würde?“

Doch Ottos vermeintlich heile Welt droht zu kippen, als seine neue Nachbarin, die auch noch Mexikanerin ist, plötzlich vor der Tür steht. „Er gibt vor, allein sein zu wollen. Dabei ist seine Abweisung anderer Menschen nur ein unbewusster Hilfeschrei nach Verbundenheit und menschlicher Nähe.

Die lebendige und manchmal etwas zu laute Nachbarschaft macht sein Leben in Wahrheit bunter und reicher“, erklärt uns der zweifache Oscarpreisträger. „Das war es auch, was meine Frau Rita und mich so am Originalfilm angesprochen hat: der Zusammenhalt in einer Community. Ohne großes Biegen und Brechen lässt sich das wunderbar auf die USA übertragen, die ein Schmelztiegel der Kulturen ist und in Menschen mit unterschiedlichste Migrationsbiografien friedlich Tür an Tür wohnen.“

Hollywoods Mr. Nice Guy überzeugt als Grummelrentner mit weichem Kern

Dem deutsch-schweizerische Regisseur Marc Forster („World War Z“) war genau diese zutiefst menschliche und lebensjahende Botschaft des Films wichtig. Und dass er ausgerechnet den „nettesten Typen von Hollywood“ dazu bringen konnte, ein Grantler zu spielen, macht ihn umso glücklicher. „Wenn Tom grumpy spielt, dann ist das immer noch ein ganzes Stück charmanter als bei anderen Schauspielern.“

Für die bisher vor allem in Mexiko bekannte Schauspielerin Mariana Treviño, die Ottos neue Nachbarin spielt, wiederum schloss sich mit den Dreharbeiten zu „Ein Mann namens Otto“ ein schicksalhafter Kreis: „Ich kann mich noch genau daran erinnern, dass ich in einem kleinen Kino meiner mexikanischen Heimatstadt seinen Film ,Philadelphia‘ gesehen habe“, erzählt Co-Star Treviño gegenüber TV DIGITAL. Hanks spielte darin einen HIV-positiven Homosexuellen und brach damit im Jahr 1993 ein Tabu. „Das hat mich absolut umgehauen und mir war sofort klar, dass ich da etwas Historischem beiwohne, das ich nie wieder vergessen würde. Ohne mir damals darüber im Klaren zu sein, waren Tom und seine Filme in jedem Fall ein Grund dafür, dass ich mit der Schauspielerei angefangen habe.“

Vielleicht ist Tom Hanks jetzt auch ein Grund dafür, dass Zuschauer die eigene Nachbarschaft mit anderen Augen zu sehen. Denn mit seinem feinfühligen Spiel eines renitenten Rentners, der sich langsam aus seiner selbstgewählten Isolation begibt, ist er auf jeden Fall das Highlight von „Ein Mann namens Otto“ – einem Film, der zutiefst berührt, ohne dabei rührselig zu sein.

Ab dem 2. Februar startet „Ein Mann namens Otto“ im Kino. 

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