Ein oscarverdächtiges Duo

"Neues aus der Welt“: Der Netflix-Western mit Tom Hanks und der Systemsprengerin

10.02.2021 um 20:04 Uhr

In seinem ersten Western spielt Oscar-Preisträger Tom Hanks eine männliche Nanny, die eine verzogene Göre (Helena Zengel) zu ihren Verwandten bringen will. Nachdem der Kinostart in Deutschland abgesagt wurde, läuft der Film jetzt (ab 10. Februar) bei Netflix.

Der Netflix-Film basiert auf dem Roman „News of the World“ von Paulette Jiles und erzählt von Captain Jefferson Kyle Kidd (gespielt von Tom Hanks), der nach dem Ende des Amerikanischen Bürgerkriegs durchs Land reist, um Menschen in abgelegenen Städten Nachrichten über die Tuberkulose, aber auch über die Eisenbahn und andere neue Technologien zu bringen.

Kein Radio, keine Fernseher und keine sozialen Medien - aber Fake News

In Texas stößt er im Jahr 1870 auf Johanna (Helena Zengel), ein Mädchen, das sechs Jahre lang bei den Kiowa aufwuchs und das nun zurück zu ihren Verwandten gebracht werden soll.

Als Ex-Journalist und Dokumentarfilmer fühlte Regisseur Paul Greengrass sich von diesem Stoff sofort angesprochen: „Kidd ist für mich wie ein wandernder Prediger. Er bringt den Menschen Hoffnung mit dem Erzählen von Geschichten. Damals gab es noch kein Radio, keinen Fernseher und keine sozialen Medien. Wie vor 150 Jahren leben wir heute wieder in einer Zeit, in der Wahrheiten zu Lügen und Lügen zu Wahrheiten verdreht werden. Meine Absicht war es, dem Zuschauer ein Licht in einer dunklen Welt zu schenken.“

Tom Hanks’ Begeisterung für Captain Kidd entstand aus seiner Liebe zur Geschichte und seiner fast „naiven Vorstellung, was Nachrichten und Journalismus sein könnten: nicht nur Unterhaltung, sondern Bildung und Aufklärung. Meine Figur bringt Menschen eine Stunde lang zusammen, um ihnen zu erzählen, was sich in der Welt abspielt.“

Eine gespaltene Nation. Angst vor einer Pandemie. Rassismus, Propaganda und Fake News: Dass sich der Film so politisch aktuell anfühlt, ist Zufall. „Wir haben den Film vor Covid-19 und dem Zirkus um die US-Wahl gedreht. Es ist nicht das erste Mal, dass sich die Realität einem Film anpasst“, sagt der Star im Interview mit TV Digital Hollywood-Korrespondentin Anke Hofmann.

Helena Zengel für für einen Golden Globe nominiert

Die große Überraschung dieses ungewöhnlichen Westerns ist jedoch nicht Tom Hanks – ihn kennt die Welt in der Rolle des anständigen Kerls. Es ist vielmehr die jetzt 12-jährige Berlinerin Helena Zengel, die als Problemkind in „Systemsprenger“ (Netflix) für Furore sorgte und nun für ihre Rolle in „Neues aus der Welt“ für einen Golden Globe als Nebendarstellerin nominiert wurde.

„Ich hatte mich auf eine monatelange Suche, das Vorsprechen von Hunderten Talenten und die Qual der Wahl vorbereitet, dann wurde ich auf ‚Systemsprenger’ aufmerksam. Als ich Helena sah, löste sich das Problem ganz von allein“, erklärt Regisseur Paul Greengrass.

In 53 Drehtagen in den Wäldern und Bergen um Santa Fe wurden aus den ungleichen Filmpartnern Freunde. „Wir mailen uns immer noch“, berichtet Hanks. Und Helena erzählt: „Wir schicken uns Fotos und reden, was wir so machen und wie es uns geht.“ Neues aus ihrer Welt eben.

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